Lloyd's Weblog

Reise nach Indien

Meine Einträge vom 23. - 31. Dezember schreib ich noch nach!

Das ist meine erste Reise nach Indien. Ich werde 5 Wochen unterwegs sein.
Für mich ist es eine besondere Reise und ich möchte Eindrücke, die ich sammle, hier festhalten.
Freuen tu ich mich über jede Mail von "daheim". Ihr könnt mich unter lloyd@chello.at erreichen.


18. Dezember

Die zweite Tochter von meinen Onkel ist grad mal zwei Monate alt. Ich hab sie heute paar Minuten getragen, weil keiner Zeit hatte und sie hochgehoben werden wollte. Zum Glueck konnte ich sie kurz darauf meiner Tante geben. Ich hab Angst etwas zu zerbrechen, obwohl mir jemand schon mal gesagt hat, dass dazu kein Grund besteht, Babies waeren gar nicht so zerbrechlich, wie sie scheinen. Meine dreijaehrige Cousine hat sich schon etwas an mich gewoehnt. Sie redet jetzt viel und zwar so wie eine Erwachsene. D.h. sie ist ziemlich frech, aber das was sie sagt, ist recht klug.
Wir waren heute viel unterwegs. Die Stadt ist wirklich weiter entwickelt, wie die anderen Staedte, die ich bisher gesehen hab. Es gibt moderne Hochhaeuser, zwar vereinzelt nicht zusammenhaengend, aber mit europaeischen gleichziehend, was Aesthetik und Instandhaltung betrifft. Vor allem Verfall ist was indische Staedte auszeichnet. Es gibt zwar schoene Haeuser und sie werden gebaut, aber keiner scheint sich Gedanken ueber ihre Instandhaltung zu machen oder es gibt kein Geld dafuer. Auf den Strassen sind mindestens die Haelfte der Autos neuwertig. Darunter fast alle gaengigen Luxusmarken Europas und viele luxurioese Jeeps. Der Lebensstandard ist anscheinend noch hoeher wie in Bangalore. Frauen sind moderner gekleidet und man sieht sie oft allein unterwegs. Auch westliche Touristen hab ich allein unterwegs gesehen, ohne dass sich irgendwer nach ihnen umgedreht haette.
Die Artikel in den Geschaeften, vor allem Kleidung und Essen ist relativ teuer, gute Qualitaet, vergleichbar mit der in Europa, findet man zuhauf und ich wunder mich ueber den praktisch gleichen Preis, wie in Oesterreich, jedenfalls was Kleidung betrifft.

17. Dezember

Heute hab ich meine Grossmutter wiedergesehen. Sie ist sehr duenn geworden. Richtig abgemagert. Als ich sie sah, ging sie gerade auf dem Korridor herum. Sie spricht ohne Unterbrechung. Mit sich selbst. Als meine Tante ihr sagte, dass ich da bin, hat sie zwar kurz aufgehoert Selbstgespraeche zu fuehren, aber nur zu ihr gewand und hat gemeint, sie soll mich doch zu ihr bringen. Ich stand direkt neben ihr. Sie sieht anscheinend sehr schlecht und nach wenigen Minuten beschaeftigt sie sich wieder mit sich selbst. Ich sass neben ihr, und niemand beschaeftigte sich mit meiner Grossmutter. Sie war aber natuerlich auch mit sich selbst beschaeftigt. Sie fuehrte Gespraeche, die scheinbar Sinn machten, aber mit Leuten die nicht da waren. Ich konnte paar Minuten nicht sprechen, sonst haett ich meine Traenen nicht zurueckhalten koennen und ich wollte nicht sentimental werden vor meinen Verwandten.
Mein Onkel hat einen Minivan und bis Anfang Jaenner frei. Er faehrt mich ueberall herum. Keine Streitereien mit Rickshafahrern mehr, kein feilschen. Ich seh die Stadt aus einem ganz anderem Blickwinkel wie die Letzten, vielleicht ist es deswegen, dass ich meine es ist alles etwas sauberer, der Verkehr nicht ganz so schlimm, die Luft etwas besser. Am Abend bin ich wieder bei meiner Tante. Jetzt kann ich schon besser mit dem Zustand meiner Grossmutter umgehen.

16. Dezember

Der Vormittag und der fruehe Nachmittag verliefen ereignislos. Ich versuchte den Tag im Hotel zu verbringen, da ich sowieso um 14h auschecken und dann bis um 21h, dann ging mein Flug nach Colombo, auf "der Strasse" verbringen musste. Das Hotel ist angenehm, mit grossem Empfangsraum, einem Restaurant im Halbgeschoss mit Blick auf den Empfangsraum und einem Businesscenter in dem ich Internetzugang hab.
Mein Flug ist neben einem Zweiten der einzige, der keine Verspaetung hat. Puenktlich landen wir in Colombo. Ich frag mich herum, um die Besucherhalle zu finden, da mein Onkel mich abholen wollte. Schliesslich mach ich mich auf den Weg nach draussen. Vielleicht wartet er ja dort. Auf halben Weg kommt er mir mit seiner dreijaehrigen Tochter entgegen. Es tut gut ihn wiederzusehen. Meine Cousine ist total suess. Sie kommt gleich mit mir mit, da mein Onkel den Wagen holen will. Eine winzige Hand in meiner.
Er hat gemeint wir sollen grad aus gehen. Und wirklich wenige Minuten weiter wartet meine Tante und mein Cousin. Als ich ihn das letzte Mal gesehen hab, war er acht. Jetzt haette ich ihn nicht wiedererkannt. Ein Schrank. Ich hab das Gefuehl meine Tante erst gestern zum letzten Mal wiedergesehen zu haben.
Nach mehr wie zwei Wochen allein unterwegs zu sein, in einem sehr fremden Land, tut es einfach gut in dem Wagen zu sitzen mit Leuten, denen ich vertraue und die mich moegen.

15. Dezember

Ich hab heute fast den ganzen Tag in einer Buchhandlung verbracht, modern eingerichtet, mit Sitzgelegenheiten zum schmoeckern und angeschlossenem Cafe. Fast schon europaeischer Standard, allerdings nicht so gross wie der Amadeus in Wien. Hab eine Menge EDV-Fachbuecher und eine Menge Kochbuecher entdeckt. Recht guenstig. Wenn die nicht soviel wiegen wuerden, wuerd ich gleich einen Koffer voll mitnehmen. Ich muss mal fragen, ob es moeglich ist, mir die per Post nachsenden zu lassen.

14. Dezember

Ich weiss eigentlich nicht genau, was ich hier machen soll. Bangalore ist eine kommerzielle und industrielle Stadt. Eigentlich kein Ziel fuer Touristen wie mich. Eher etwas fuer Leute die hauptsaechlich Shoppen wollen. Es gibt hier zwei groessere Einkaufsstrassen, Brigade Street und Commercial Road. Andererseits ist das die erste Stadt in Indien, wo ich und auch die Touristen, die ich beobachten konnte, relativ unbehelligt durch die Strassen laufen konnten.
Ich hab heute per Zufall, ich war mir ein Apartment anschauen, welches ich eigentlich reservieren wollte, zwei Gaeste getroffen die auch ein Zimmer im diesem Apartmenthaus belegt haben. Einer von ihnen ist grad mit der IIT in Bombay, einer technischen Universitaet, fertig geworden und sucht Arbeit. Wie ich eintrat, war er grad am Telefon wegen einem Vorstellungsgespraech und etwas ungehalten ueber die Stoerung. Erst auf dem Rueckweg, ich bin bereits im Ricksha gesessen und paar hundert Meter gefahren, kam mir der Gedanke, dass ich urspruenglich ja auch ein paar Kontakte knuepfen wollte. Und wo sonst wenn nicht in Indiens IT-Metropole Bangalore, auch wenn das heute nicht geplant war? Nachdem ich meine Mailadresse hinterlegt habe, war ich am Nachmittag im Lal Bagh Park, einem botanischen Garten mitten in der Stadt. Was mach ich eigentlich staendig in Parks?

13. Dezember

Ich glaub ich bleib fuer die restliche Zeit in Bangalore in diesem Hotel. Es gefaellt mir hier ganz gut. Ist zwar teuer, aber schliesslich bin ich auch in Indien um Urlaub zu machen.
Man kann in Bangalore gut einkaufen. Es gibt mehrere Einkaufsstrassen und viele Leute mit Geld. Der Lebensstandard ist in den Gegenden die ich bisher gesehen hab wirklich hoeher, als in den anderen Staedten. Ich hab das Gefuehl mich hier frei bewegen zu koennen. Mit den Rickshafahrern kann ich in Tamil verhandeln. Es ist gut eine einheimische Sprache zu sprechen, dann wird man nicht mehr ganz so schlimm ueber den Tisch gezogen.
Der Tag war nicht aufregend, bisschen spazieren, Preise vergleichen, der Versuchung widerstehen einzukaufen, da ich erst wenn ich wieder zurueck nach Chennai komme einkaufen moechte. Ich hab dann mehr Zeit und jemand von meiner Familie kann mich begleiten bzw. beraten. Heute konnte ich mich endlich etwas entspannen.

12. Dezember

Nach einer anstrengenden Fahrt von 12h bin ich in Bangalore um 10h vormittags angekommen. Der Reisebus war zwar sehr modern, im hinteren Bereich gab es doppelstoeckige Liegeflaechen, allerdings musste man die schmalen Liegen mit einer Person neben sich teilen. Die Liegen waren etwa 50cm schmal und neben mir war ein aelterer Herr, der nicht gerade duenn war. Aber irgendwie haben wirs doch mit viel gutem Willen geschafft halbwegs miteinander auszukommen. Fuer ihn wars genauso dass erste Mal mit so einem Bus, wie fuer mich. Es sind auch einige Europaer hier, sie waren allerdings so schlau, sich paerchenweise zusammenzutun. Muessen wohl Erfahrung haben. Es ist ganz gut, nicht viel von der Fahrt mitzubekommen. Hohe Geschwindigkeit und asiatisches Fahrverhalten. Mittlerweile hab ich mir trotzdem angewoehnt den Fahrern zuzutrauen das Ganze ohne Unfaelle zu ueberstehen.
Von Goa aus hab ich nur eine einzige funktionierende Telefonnummer eines Hotels auftreiben koennen. Das ist das Central Park Hotel, ein vier Sterne Hotel mitten in der Stadt und relativ teuer fuer mein Budget. Jetzt bin ich aber froh, ein Zimmer zu bekommen, obwohl man bei der Ankunft meine Reservierung nicht gefunden hat. Fuer einen Tag ist noch ein Zimmer frei, sagt man mir. Macht nichts, morgen werd ich mir eh eine guenstigere Bleibe suchen, obwohl der Service und das Ambiente mir schon gefallen wuerde.
Nach einer Dusche bin ich wieder fit fuer einen Erkundungstrip. Die Stadt gefaellt mir. Der Lebensstandard ist anscheinend um einiges hoeher, wie in Goa oder Delhi.

11. Dezember

Ich hab mich einer ganztaegigen Tour angeschlossen. Es hat auch seine Nachteile wenn man als Inder durchgeht. Ich werde ueberall in der Landessprache angesprochen, in Delhi und Bombay war das Hindi, hier in Goa ist es Konkani. Da ich natuerlich nichts verstehe, stosse ich oefters auf Unverstaendnis und man haelt mich fuer einen Snob, der mit Englisch angeben will. Da ich wie ein Inder aussehe, wurde ich auch in einen Tourbus fuer Inder verfrachtet, anstatt mit Auslaendern. Leider hab ich das zu spaet bemerkt, da ich zwei oder dreimal einen Sammelbus wechseln musste. Der Touristenfuehrer sagt das meiste zwar in Englisch und Hindi, aber an den verschiedenen Attraktionen spricht man nur Hindi. Ich bin muede staendig zu wiederholen, dass ich nur Englisch verstehe und schau mich selbst um.
Die Tour selbst ist ganz interessant, von 9h bis 18h dauert die Sued-Goa Rundfahrt mit etwa 20 Leuten. Die meisten sind Paerchen auf Flitterwochen, kein Wunder, dass wir zweimal einen Strand ansteuern. Zum Glueck nur fuer jeweils eine knappe halbe Stunde. Meine Kamera ist voll. Ich brauch eine neue Speicherkarte. Vor der Abreise hatte ich keine Zeit mehr eine zweite zu kaufen. Es ist hier nicht so einfach Zubehoer fuer eine Digitalkamera zu bekommen, in dem winzigen Nest brauch ich es erst gar nicht versuchen. Ich musste bereits zwei, drei Fotos loeschen, um die wenigen Aufnahmen hier zu machen.
Am Abend klaere ich noch alles wegen der Fahrt morgen nach Bangalore. Es war nicht moeglich eine Zugkarte zu bekommen. In Indien ist das Zugsystem recht kompliziert, man bekommt nur mit Reservierung einen Sitzplatz, und das nur genau in den reservierten Zuegen. Sie befoerden aber auch eine Menge Menschen. Der Hotelchef war so nett mir eine Reservierung in einem Bus mit Liegebetten zu organisieren. Heute Abend um 21h gehts weiter mit dem Schlafwagen.

10. Dezember

Bin wirklich krank heute. Ich geh nur kurz Mittag essen und bisschen zum Strand und in die naehere Umgebung. Am Nachmittag bin ich wieder im Hotel und versuche zu schlafen.
Jemand hat versucht in das Nebenzimmer einzubrechen. Jedenfalls hoerte es sich so an. Der Hotelchef sagte mir, das nebenan ein aelterer Englaender mit einer wesentlich juengeren Frau leben wuerde, und sie oefters miteinander Krach haetten. Er war anscheinend gestern betrunken und hat versucht die Tuer aufzumachen. Ich hab fast nicht geschlafen.

9. Dezember

Das naechste Mal muss ich ein paar Muenzen mitnehmen. Ich wurde schon zum zweiten Mal danach gefragt. Der Rezeptionist sammelt Muenzen aus europaeischen Staaten.
Die 2A-Klasse im Mandavi Express nach Goa ist ok. Viel Platz fuer 4 Leute. Die unteren Sitzbaenke koennen zu Betten umgelegt werden, zwei weitere fixe Betten sind auf Kopfhoehe angebracht. Neben mir sitzen zwei Geschaeftsleute einer indischen Firma. Der Ranghoehere von ihnen war schon oefters in Europa und erzaehlt mir, dass er ueberall auf der Welt die indische Herzlichkeit vermisst habe. Ich sag nichts dazu, ich hab Indien bisher aus einer anderen Perspektive erlebt - alles dreht sich ums Geld. Jeder versucht dem anderen, falls er vermutet, dass er Geld habe, ihm dasselbige irgendwie abzunehmen.
Die Atmosphaere ist angenehm. Kosten tut diese Abteilklasse zwei oder dreimal soviel wie normal. Mein Gespraechspartner ist ein technischer Ingenieur mit 25 Jahren Erfahrung in der Verpackungsindustrie. Er ist im Marketing taetig. Immer mehr Techniker sind das, sagt er, da die Kunden sachverstaendige Gespraechspartner braeuchten. Die beiden sind geschaeftlich nach Goa unterwegs. Es ist sehr interessant mit ihm ueber Indien, Genetik und Abstammung zu sprechen. Er ist ein sehr gebildeter Mann. Stolz auf Indien, beklagt aber gleichzeitig, dass dem Land eine gute Fuehrung fehle und dadurch viele Probleme auch noch lange nicht geloest werden wuerden. Ausser dem derzeitigen Ministerpraesidenten, Manmohan Singh, und wenigen Ausnahmen waeren Leute aus der organisierten Kriminalitaet und Leute die sich selbst bereichern wollten an der Macht.
Die beiden bieten mir an mich ihnen anzuschliessen, sie wuerden zwei oder drei Hotels abklappern und sich dann erst entscheiden, wo sie bleiben wollten. Ich hab zwar eine Reservierung, aber ich nehm den Vorschlag trotzdem gerne an. Ein Vergleich kann nicht schaden. Ich hab mein Hotel nicht ueber Empfehlung ausgesucht, es war eines der Wenigen, die ich im Internet hier gefunden hab.
Schliesslich bin ich aber doch im reservierten Hotel gelandet. Dazwischen lag unter anderem ein Zimmer, wo beim Eintreten Kakerlaken unter der Matratze verschwanden.
Meins gefaellt mir zwar auch nicht besonders, vor allem das WC/Bad sieht nicht ansprechend aus, aber wenigstens scheint es hier keine Kakerlaken zu geben und das Hotel macht insgesamt einen gepflegteren Eindruck.
Die beiden anderen sind in einem Hotel 20m weiter entfernt untergekommen. Wir haben uns eine Stunde spaeter zum Abendessen, an einem Strandlokal, verabredet. Das Lokal ist direkt auf dem Sand aus leichtem Holz aufgebaut, um bei hoeherem Meeresstand umgesiedelt werden zu koennen, und nur 15m von den Wellen entfernt. Das kleine Dorf wo wir sind, liegt 6km von Margao entfernt. Margao ist die naechstgroessere Stadt in Sued-Goa. Das Dorf, welches nur aus Touristenhotels und Lokalen zu bestehen scheint, liegt an einer weit auslaufenden halbkreisfoermigen Bucht mit sauberem weissen Sand. Nur die Palmen fehlen hier.
Da es bereits stockdunkel ist, Licht spenden paar Fackeln von der Strandbar, sind wir fast alleine hier. Leider bin ich verkuehlt und habe Kopfschmerzen und kann die Umgebung nicht geniessen.

8. Dezember

Die Show im Nehru Planetarium war grossartig. Ich war noch nie in einem Planetarium, kann es also nicht vergleichen, aber die Technik hat mich verbluefft. Es war keine einfache Projektion mit Lasern, war computerisiert, in einer Qualitaet und Farbe wie im Kino, gehalten in einer Halbkugel von etwa 25m Durchmessern. Der Raum war voll mit Schulkindern.
Daneben liegt gleich das Nehru Science Center. Ein zylindrischer Turm mit spiralfoermig hochgezogen Waben als Aussenskelett. Neben einer gerade stattfindenden Konferenz, eine russische Wissenschaftlerin, stand in der Cafeteria neben mir, war hier auf mehreren Ebenen die Geschichte Indiens ausgestellt. Von den Anfaengen der Haruppa Kultur vor mehr als 5000 Jahren im Industal, deren Nachfolger vermutlich die jetzt im Sueden lebenden Drawiden sind, bis zu Gandhi.
Die haengenden Gaerten auf den Malabar Hills sind eigentlich gar keinen Besuch wert. Ich war nur von der frischen Luft beeindruckt. Ganz abgesehen davon, dass die haengenden Gaerten keine "haengende Gaerten" sind. Sie werden nur so genannt, weil sie auf dem hoechsten Punkt des Huegels liegen. Daneben, gleich auf der anderen Strassenseite ist ein zweiter Park, der mir wesentlich besser gefallen hat. Von hier hat man eine gute Aussicht auf die Bucht von Bombay und das Meer.
Zu Mittag hab ich in einem lebanesischen Lokal Kebab auf iranische Art bestellt. Ich bezweifle aber, dass es authentisch war.
Der Fahrstuhlwaerter, ein aelterer Mann in den Sechzigern, hat mich ueberraschend umarmt, als ich ihm gesagt hab, dass ich morgen Frueh abreise. Er hat mir ein paar Saetze in Hindi beigebracht.
Zum Abschluss meines letzten Tages in Bombay, hab ich mir eine Tasse Tee im Taj Mahal Hotel gegoennt. Das Ambiente ist recht nobel und die Kellner sind sehr aufmerksam, aber eigentlich find ich, es ist nur der grosse Name, der "einen Kaffe im Taj trinken" als ein Muss in jedem Reisefuehrer stehen laesst. Vielleicht ist das aber zu zweit anders. Es war nur ein weiterer Tisch mit einigen Franzosen besetzt, fuer einen romantischen Abend zu zweit waers genau das Richtige.

7. Dezember

Satya, das ist der Angestellte von meinem Hotel, mit dem ich mich angefreundet hab, hat mir am Nachmittag die Stadt gezeigt. Ich hab Dinge gesehen, die ich als Tourist nie gesehen haette. Auch seine Wohnung, in einer typischen Gegend fuer einfache Arbeiter. Es macht mich nachdenklich, wenn ich erfahre, dass sein Monatslohn weniger ist wie ich in einer Nacht fuer mein Zimmer bezahle.
Wir waren zuerst im Prince of Wales Museum. Ein sehr schoenes Gebaeude im britischen Kolonialstil. Etwa 20min dauerte der gesamte Rundgang. Nicht weil es nicht sehr viel zu sehen gab, die Ausstellung ist recht gross, aber weil wohl keiner von uns beiden Lust hatte zu lange hier zu verweilen. Satya hatte schon alles gesehen gehabt und ich wollte lieber mal alleine herkommen, um in aller Ruhe die Ausstellung zu geniessen.
Wie sichs herausstellte ist er Christ. Ich hab nach der St. Thomas Cathedral gefragt, von der ich gehoert hatte, dass sie sehenswert sei. St. Thomas Cathedral haben wir nicht gesehen, aber dafuer die Afghan Curch und etwas ganz besonderes: ein Kirche mitten in einem Slum.
Das war die Kirche wo er immer hingeht. Ich waere nie auf die Idee gekommen diese Gegend zu betreten, ich haette auch nicht gewusst, wo das war. Mein Hotel liegt in Colaba, einer relativ guten Gegend, fuer indische Verhaeltnisse.
Ich hab einen Bettler gesehen, der wie ein Toter auf einem Juttesack dalag, neben ihm auf einer schmutzigen Plastikplane war ein Haufen verfaulten Irgendwas. Reis anscheinend, schmutzig braun, grau und gruen. Anscheinend ass er noch davon. Ich versuche nicht daran zu denken, soetwas uebersteigt mein Erfassungsvermoegen. Die Gegend, die zu dieser kleinen Kirche fuehrte, Kirche heisst, es war ein kleines Hausschen, eher eine Huette, ein einziger viereckiger Raum von vielleicht 20 Quadratmetern, war eines der schlimmsten die ich bisher gesehen hatte. Es sah aus wie diese Doerfer, die man vom Fernsehen kennt, wenn fuer Hungersnoete Spenden geworben werden. Wir gingen kreuz und quer, mal links mal rechts in den engen Gaesschen einbiegend. Ich hatte gestern noch in einem indischen Geschaeft eine Hose gekauft, wie sie alle hier tragen, und ein einfaches Hemd angezogen, um moeglichst nicht aufzufallen. Jetzt war ich sehr froh darueber. Nicht dass ich sonst Schwierigkeiten bekommen haette, das weiss ich nicht. Aber ich haette mich vor den Armen hier fuer meinen Wohlstand - in ihren Augen war es das - geschaemt. Diese "Kirche" war mitten drin in dieser Gegend. Ich bekam Tee von einer aelteren Frau serviert, die den Schluessel aufbewahrte. Den Besten, den ich in Bombay bisher getrunken hab.
Jeden Sonntag kommt ein Priester. Es gibt Strom, eine kleine elektrische Orgel und diese indischen Trommeln, deren Namen ich wieder vergessen hab. Und offensichtlich eine Menge guter Menschen. Sonst wuerde das hier nicht funktionieren. Satya meinte auf dem Weg hierher, dass er die Armen lieber haette, wie die Reichen.
Spaeter waren wir noch im BPT Garden, einem Park in dem man eine kleine Gebuehr fuer den Eintritt zahlen muss. Es lohnt sich aber. Der Rueckweg fuehrte dann am Fischmarkt vorbei durch den Colaba Markt, der auch am spaeten Abend offen hatte. Ich hab mir hier ein bisschen Obst gekauft, um meine Nahrung zu ergaenzen. Ich glaub ich hab etwas abgenommen.

6. Dezember

Ich hab endlich richtig schlafen koennen. Vielleicht liegt es an der ruhigen Lage des Hotels und im 8ten Stock bleibt der lokale Strassenlaerm ertraeglich. Heute war ich nur bisschen bummeln hier in der Gegend. Um halb acht abends, beim Heimweg, war noch immer jedes dritte Geschaeft geoeffnet.
Ich hab Freundschaft mit einem Angestellten des Hotels geschlossen. Er hat mir spaeter ein Restaurant an der Hauptstrasse empfohlen und meinte die Preise hier waeren zu hoch und das Essen zu schwer.
Das Restaurant liegt im Hotel Kamat an der Geschaeftsstrasse, nur fuenf Gehminuten entfernt. Das Essen ist wirklich ausgezeichnet und sehr guenstig. Ich hab etwa ein Viertel von dem Preis gestern bezahlt. Allerdings war das nicht der Grund warum ich hingegangen bin. Es ist ein echt indisches Lokal, wo authentische indische Speisen angeboten werden. Nur Einheimische sitzen hier. Es ist sehr einfach, fast wie eine Kantine, aber doch irgendwie sympathisch eingerichtet. Bezahlt wird am Ausgang. Einige Jungs laufen umher und servieren das Essen. Alles funktioniert sehr schnell und unkompliziert, die Leute hier sind sehr natuerlich und freundlich. Ich esse ein suedindisches Tali mit Buri und Reis. Buris sehen aus wie Krapfen, bestehen aber nur aus einem sehr duennen Teig und sind innen hohl. Man beisst hinein und fuellt dann verschiedene Gemuesecurries und Saucen hinein. Es schmeckt sehr lecker. Ich kannte sowas noch nicht.
Am Abend versuch ich ein McChicken Menu im McDonalds. Das Lokal sieht genauso aus wie ueberall. Die gleiche Kartonverpackung in der gleichen Qualitaet, das gleiche Plastik, die gleiche Einrichtung im Restaurant. Fuer Indien ist das aber ein sehr hoher Standard. Ueber den sogenannten BigMac Index kann man den Preisstandard in einem Land feststellen. Das funktioniert, weil Angestelle und die Herstellung der Produkte usw. nach lokalen Standards bezahlt werden. Ein Menu kostet etwa ein viertel von dem was es in Oesterreich kosten wuerde.

5. Dezember

Bin schon wieder um 6h losgefahren. Diesmal zum Flughafen. Wieso schaff ich es mich noch auf den Beinen zu halten?
Am Flughafen hab ich eine junge Inderin kennengelernt. Varsha, sie arbeitet im Spanischen Konsulat in Delhi und ist auf dem Weg nach Neuseeland ueber Bombay und Sydney. Sie hat mich nach dem richtigen Check-In Schalter gefragt. Kennt sich auf dem chaotischen Flughafen von Delhi genausowenig aus, wie ich. Wir haben den gleichen Flug. Es ist viel leichter gemeinsam sich nicht auszukennen, wie allein. Die drei Stunden Wartezeit bleiben ertraeglich.
Im Flugzeug sitz ich neben Meg Ryan.
Eine aeltere Dame aus Australien. Sie behauptet, mehr Anrecht auf den Namen zu haben, da sie aelter sei. Ich glaube ihr. Nach 1h40min Flugzeit landen wir sicher in Bombay. Varsha und Meg muessen beide auf den gleichen Weiterflug nach Australien warten, wie sich herausstellt. Meg hat schon was vor, sie wird von einem Freund fuer die 7h Wartezeit abgeholt. Es ist gegen Mittag.
Ich kann auch spaeter am Abend im Hotel einchecken. Wollte sowieso heute Nachmittag die Stadt etwas erkunden. Mit Varsha macht es sogar Spass, herumzufahren etwas bummeln, zu mittag zu essen. Da sie Hindi spricht und sehr selbstbewusst ist, kommen wir ohne Probleme zurecht. Nur einmal ist eine Bettlerin recht aufdringlich.
Nachdem ich mein Gepaeck von der Aufbewahrung abgeholt habe, wuensche ich ihr eine gute Reise nach Neuseeland und mach mich auf zum Hotel. Freu mich schon auf einen Internetzugang und dann mal ausschlafen zu koennen - versuchen werd ichs jedenfalls.
Ich hab am Flughafen gleich nach der Ankunft im Hotel angerufen, um meine Reservierung bestaetigen zu lassen. Trotzdem ist das Zimmer jetzt weg. Ich find ein anderes Hotel in der Naehe.
Leider recht teuer. Preise eines guten europaeischen Hotels. Werd heute erstmal hierbleiben und morgen mal sehen, ob ich etwas anderes finde. Das Zimmer ist gut. Dafuer funktioniert der hauseigene PC mit Internetzugang nicht.
Mach mich auf die Suche nach einem Internet-Cafe in der Umgebung. Es ist jetzt dunkel. Die Hauptstrasse ist recht belebt. Viele nette Geschaefte und Restaurants. Viele Menschen sind noch unterwegs. Niemand belaestigt mich. Die Strasse ist vielleicht so lang wie die Mariahilferstrasse. Ich bin froh noch rausgegangen zu sein. An jeder Ecke stehen Touristen, ohne belaestigt zu werden. Die meisten sind in ruhige ungestoerte Gespraeche mit den Standverkaeufern, links und rechts der Strasse, verwickelt. Den Grossteil machen junge Inderinnen, Inder und junge Paerchen aus. Alle "modern" gekleidet. Hab sogar eine Inderin mit bauchfreiem TShirt gesehen. Sie wird nicht belaestigt. Die Gegend gefaellt mir ganz gut.
Ein Internet-Cafe hab ich zwar gefunden, aber mit ISDN Anschluss. Bloss mein Mail abzurufen dauert Stunden...
Der Hotelmanager hat gemeint, dass sich ein Techniker morgen um das Problem mit dem PC kuemmern wird. Heute ist Sonntag. Ich werde es morgen mit dem Hotel-PC versuchen.
Seit gestern schreibe ich meine Notizen auf Papier.

4. Dezember

Heute gings um 6h in der Frueh los. Abfahrt des Shatbadi Express von Delhi nach Agra. Ich konnte sowieso heute wieder nicht schlafen. Der vierte Tag in Indien und etwa sieben oder acht Stunden Schlaf zusammengerechnet.
Ich sitz in einem offenen Sitzabteil, auf der linken Seite zwei Sitze, auf der rechten drei. Das Abteil sieht etwas heruntergekommen aus, die beste Klasse in dem Zug. Der Service ist gut. Kurz nach Abfahrt verteilte ein "Zugsjunge" verschiedene englischsprachige Zeitungen. Gratis. Danach wurde Tee serviert auf Tablets und verpackt wie im Flugzeug, mit einer kleinen Thermoskanne heissen Wassers und ein paar Butterkeksen. Industriell abgepacktes Sodawasser in 1l Flaschen gabs auch, nebst Halterung am Vordersitz.
Auf der anderen Seite sitzen zwei junge Frauen aus England. Sie haben sich anscheinend um einen Tag vertan. Ihre Ticktes waren fuer den 5ten ausgestellt. Heute ist der 4te. Der Schaffner meinte, dass sie Strafe zahlen muessten, wegen ungueltiger Tickets. Das zehnfache des normalen Fahrpreises. Das ist sehr drakonisch fuer ein Versehen. Mein Ticket kostet 370 Rupien fuer die Hinfahrt. Man bekommt 37 Tassen Tee dafuer.
Sie tun mir leid. Ich versteh die Strafe nicht. Bisher haben sie nicht gezahlt, weil sie sagten sie haetten nicht soviel dabei. Der Schaffner meinte sie sollten zuerst mal ihren Tee austrinken, auf die Frage was nun passieren wuerde. Er ist nicht wiedergekommen. In Agra ist das Taj Mahal. Es ist wunderschoen. Aus 50m Entfernung sieht es aus wie ein Ding aus einem Maerchen. Wenn man naeher kommt, oder zu weit entfernt ist, ist es einfach ein schoenes Gebaeude. Auf Fotos kann man diesen Eindruck nicht festhalten. Ein guter Teil der Faszination, die dieses Monument ausstrahlt, liegt wohl an der Liebesgeschichte zwischen Shah Jahan und Mumtaz Mahal. Ich versuch mir das vorzustellen und fuer einige Momente auf mich wirken zu lassen.
Einen sehr negativen Eindruck von Agra, trotz des Taj Mahal, hinterlassen die sogenannten Guides und Taxi bzw. Rickshafahrer. Es wimmelt hier nur so von denen. Sie stuerzen sich auf alleinreisende Touristen wie ein Rudel Hyaenen. Ich musste eine Viertelstunde vor der Kasse warten, weil ich einen Guide nicht abschuetteln konnte. Er rief dann noch ein paar Kollegen zusammen. Ich hatte Angst mein Geld aus der Tasche zu nehmen, weil ich jeden Augenblick damit rechnete, dass mir einer von denen das Geld aus der Hand reisst. Ein in der Nebenschlange fuer Inlaender stehender Besucher, der die Situation wohl mitbekommen hatte, warnte mich auch dann aufzupassen, nachdem ich die Karte gekauft hatte. Sie wuerden auf mich warten.
Irgendwie hab ich es dann doch zu den bewaffneten Wachen geschafft. Dahinter, im Gelaende des Taj Mahal selbst, gabs keine Belaestigungen. Das was ich von Indien bisher gesehen habe, gefaellt mir immer weniger. Ich verstehe, dass die Menschen hier um ihr Ueberleben kaempfen, aber mich ohne Ruecksicht und bisschen Verstand, da mit hineinzuziehen kann ich nicht akzeptieren.
In Agra gibt es ein Rotes Fort, genau wie in Delhi. Dieses hier ist viel imposanter. Ich hab hier etwas zu Gesicht bekommen, was normalen Besuchern sonst verwehrt ist - den Spiegelsaal. Durch Bestechung eines alten Mannes, der die Schloesser aufsperren konnte und die Wachen wegschauen liess, kam ich hier rein. Er hatte die Schluessel, um hier sauber zu machen.
Ganz so beeindruckt bin ich nicht, aber es ist durchaus sehenswert. Kleine Spiegel, mosaikmaessig in die Waende und Decken eingelassen, reflektieren den Schein der zwei Kerzen. Die Heimlickkeit, das Reinschleichen in einem Augenblick, wo keine Touristen in der Naehe sind, das Stillsein um nicht gehoert zu werden, machen den "Eintrittspreis" aber durchaus wett.
Im Roten Fort ist auch der Turm, in dem Shah Jahan angeblich den letzten Blick auf sein geliebtes Taj Mahal geworfen hat. Er wurde hier von seinem Sohn Aurangzeb gefangengehalten. Der offene Raum selbst, ist abgesperrt. Man kommt aber auf wenige Meter heran. In der Ferne, durch die extreme Luftverschmutzung in ein Dunstschleier gehuellt, sind die Umrisse des Taj Mahal zu erkennen. Ein weiteres Abenteuer hab ich auf der Rueckseite des Taj Mahal erlebt. Das heisst auf der anderen Seite des Flusses, weit ab, von wo man aus einen grandiosen Aussicht auf das Gebaeude haben soll. Maenner in einem Dorf rotten sich zusammen. Weit und breit sind keine Menschen zu sehen. Ich stehe auf einer einsamen Sandbank im zum Teil ausgetrockneten Flussbett. Zum Glueck hab ich sowas schon geahnt und komm gerade noch weg, als sich die ersten am Ende der Dorfstrasse einfinden.
Ich will hier nur weg. Agra ist fuer allein Reisende kein guter Ort. Ich fuehl mich sehr allein und fremd hier. "Der Alchimist" von Paulo Coelho, welches ich in einer kleinen, aber gut sortierten englischsprachigen Buchhandlung vorgestern gefunden hab, verkuerzt mir die vierstuendige Wartezeit am Bahnhof. Es gab dort auch jede Menge Auswahl an Buechern von Salman Rushdie. Er steht auch auf meiner Leseliste, aber ich moecht seine Buecher lieber in Deutsch lesen, um besser zu verstehen.
Das Buch von Coelho ist fantastisch. Ich habe schon lang kein Buch mehr gelesen.
Ich werde morgen nach Bombay fliegen. Es ist nicht so einfach Bilder von meiner Kamera auf den Rechnern eines Internet-Cafes zu bekommen. Weitere Bilder stell ich nachtraeglich rein, sobald es moeglich ist.

3. Dezember

"Wenn es ein Paradies auf Erden gibt, dann ist es hier, hier, hier." Dieser Vers von Amir Khusro soll in persischer Schrift auf dem Dachhimmel des Diwan-i-Khas geschrieben gewesen sein. Ich war hier, ich stell mir den Palast in seiner einstigen Pracht vor, mit all dem Reichtum der damaligen Zeit, mitten drin der Pfauenthron, rund um ihn im Halbkreis die schoensten Frauen Indiens... kopfschuetteln, nein, das stimmt nicht. Ich weiss genau wo Paradies ist. Hier nicht.
Das war der einzige Grund fuer mich ins Rote Fort zu gehen. Ich verlasse diesen Ort, aber ohne ein Foto vom Vers gemacht zu haben. Ich hab die Inschrift nicht gefunden, trotz Herumfragens. Vermutlich wurde sie wie die meisten der anderen Inschriften herausgemeiselt und in dem kleinen Museum nebenan untergebracht. Fotografieren ist im Museum verboten. Ich hab auch keine Tafel gefunden, die diese als die Gesuchte identifiziert haette. In englischer Sprache jedenfalls ist hier kein Spruch auf den Erklaerungstafeln uebersetzt. Man muesste schon die Tafeln in Persisch selbst entziffern koennen.

2. Dezember

Delhi ist hoffnungslos uebervoelkert. Erst jetzt begreif ich wie gravierend das Problem der Ueberbevoelkerung ist. Die Stadt wuchert aus allen Enden und Ecken. Anders kann man das nicht nennen. Ueberall sind Menschen, Fahrzeuge. Es gibt zwar Gehsteige, aber diese sind so schmal und meist verstellt, sodass alle die Strasse benutzen. Man muss staendig aufpassen, nicht ueberfahren zu werden. Ausweichen und auf der Hut sein wird hier als selbstverstaendlich vorausgesetzt. Keine Zeit mal in Gedanken zu sein. Es kommt vor, dass mal vier, fuenf Fahrzeuge sich nebeneinander, auf einer zweispurigen Fahrbahn quetschen. Fussgaenger muessen dann schon mal zur Seite springen. Ich beginne aber auch zu ahnen, dass mit einer geregelten Verkehrsordnung, wie in Europa, hier nichts mehr funktionieren wuerde. Dazu gibt es viel zuviele Fahrzeuge. Durch diese chaotische Improvisation entstehen erstaunlich wenige Staus. Nur zur Hauptverkehrszeit am Abend gegen 19h ist mein Ricksha ein paar mal im Verkehr steckengeblieben. Delhi ist auch eine sehr arme Stadt. Es ist nicht so schlimm, dass ueberall Bettler zu sehen waeren, aber alles ist zerfallen und schaebig. Es gibt ueberall Menschen, deren Armut unuebersehbar ist. Die meisten versuchen irgendetwas auf der Strasse zu verkaufen. Meist auf kleinen umfunktionierten Obstkisten. Belaestigt bin ich bisher nicht geworden. Vielleicht waer das anders, wenn ich als Europaer zu erkennen waer. Man versucht aber schon, bei jeder Gelegenheit, mich zu uebervorteilen. Ich hatte ein kleines Abenteuer mit einem Rickshafahrer, weil ich mal, uebermuedet wie ich war, Unentschlossenenheit zu erkennen gegeben hab. Eins weiss ich jetzt: niemals einen Fuss in ein Ricksha oder Taxi setzen, bevor man sich ueber den Preis geeinigt hat, und sich nie von seinem Ziel abbringen lassen, auch nicht wenn interessante Dinge auf dem Weg oder in der Naehe liegen.
Das Highlight des Tages war der Besuch von Humayun's Grab. Das Taj Mahal soll nach dessen Vorbild erbaut worden sein. Viel von der Ausstrahlung dieses Maussoleums liegt an der Ruhe hier. Ein riesiger gepflegter und sehr sauberer Park umgibt das Zentralgebaeude. An verschiedenen Enden stehen noch ein paar kleinere Ruinen. Alles ist von der Stadt durch hohe Zaeune und Wachposten abgegrenzt. Man merkt hier nichts von dem ohrenbetaeubenden Laerm und Chaos draussen. Es sind nur sehr wenige Menschen hier.
Das zweite Highlight war die Entdeckung von guenstigen Einkaufsangeboten, wie Samsonite Sporttaschen oder flippigen Handtaschen im Ethnolook, am Connaught Place, einer zentralen Verkehrs- und Geschaeftsdrehscheibe der Stadt.
Am Abend war ich am Karol Bagh, einer kilometerlangen Geschaeftsstrasse, aehnlich einem Bazar. Hier geht wohl Delhi's Mittelschicht einkaufen. Es gibt sehr viele Leute die etwas wohlhabender zu sein scheinen.
Ich hab mein altes Zimmer im 1. Stock gegen eine Suite im 3. Stock getauscht. Hoffentlich kann ich hier besser schlafen. 36h bin ich jetzt schon wach und bereits seit gestern todmuede.

1. Dezember

Der Flug hatte 1h Verspaetung. Die Europaeische Union macht angeblich Messung bezueglich Abgase, Laermbelastung, etc. waehrend Langstreckenfluege und mein Flieger war eines der Testobjekte. Der Flug an sich ist nicht erwaehnenswert, ausgenommen zweier Dinge: Ich hab einen ringfoermigen Regenbogen gesehen. Nicht so einen riesigen Halbkreis in allen Farben des Spektrums, sondern einen kleinen geschlossenen Ring, aber gross genug, dass er als Regenbogen zu erkennen war. Wahrscheinlich wars nur eine Reflexion.
Das zweite war: ein roter Mond. Ich weiss nicht mehr, obs die obere oder untere Haelfte des Mondes war, aber er war orange bis schmutzig rot. Dann fuer eine kurze Weile, war ich abgelenkt und als ich wieder hinaussah war er hinter einem Wolkenband verschwunden. Spaeter sah ich den Mond wieder, aber da war er wieder silbrig weiss, wie gewohnt. Das ist das zweite Mal, dass ich einen roten Mond seh. Das erste Mal wars auf der Insel Krk im ehemaligen Jugoslawien.
Ich werd ueberall fuer einen Inder gehalten. Die Leute sprechen mich in Hindi an. Im Flugzeug wollte jemand mit mir Platz tauschen, ich hab ihn nur verstanden, weil er mit seiner Boardkarte herumgewedelt hat. Trotz meiner Versicherung, dass ich ihn nicht verstehe, brabbelte er weiter auf mich ein - in Hindi. Das gleiche beim Zoll in Delhi. Ich hab dem Beamten gefragt, was ich ihm zeigen muesste, und er hat mich nur durchgewunken, natuerlich nicht ohne mir vorher einige Dinge in Hindi zu sagen, auch wenn ich ihm gleich zu verstehen gab, dass ich nur Englisch sprechen konnte.
Den Flughafen hab ich um 1.20h Ortszeit verlassen. Geplant war die Ankunft um 22.20h Ortszeit. Der Fahrer der auf mich gewartet hat, wollt anscheinend die verlorene Zeit auf der halbstuendigen Fahrt zum Hotel wieder einholen. Das war die schlimmste Autofahrt, die ich je erlebt hab... vier oder fuenfmal ueber rote Ampeln mit Vollgas, mit 100 Sachen durch die Stadt, Hund fast ueberfahren, Fussgaenger die halb auf dem Zebrastreifen standen und zuruecksprangen. Aber eins muss man dem Fahrer lassen, er war zwar voellig durchgeknallt, aber so virtuos hab ich noch nie jemanden fahren sehn.
Nach einem kleinen Imbiss hab ich mich gleich hingelegt, aber ich konnte nicht schlafen, obwohl ich todmuede war. Ich glaub es liegt zum Grossteil an der schlechten Luft. Genauso gut haett ich mich in einem Zimmer mit ein paar Kettenrauchern zum Schlafen hinlegen koennen. Dazu kommt Laerm von der Strasse, Musik, hupende Autos, Motorraeder, eine Horde Raben, Hunde, Katzen, alles Moegliche und alles durcheinander und gleichzeitig. Nach nur dreieinhalb Stunden bin ich aufgestanden, hab mich geduscht und werd mich mal auf meine erste richtige Erkundung begeben.